Anfang September widmet Arbeitsintegration Schweiz sein Kolloquium 2025 den Herausforderungen einer systematischen Wirkungsbewertung von Massnahmen zur sozialen und beruflichen Integration. Interview mit Sepala Megert, Geschäftsleiter des Dachverbands.
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(REISO) Das diesjährige Kolloquium von Insertion Suisse widmet sich der Wirkungsbewertung im Bereich der sozialen und beruflichen Integration. Warum ist dieses Thema aktuell?
(Sepala Megert) Die Wirkungsanalyse steht heute im Mittelpunkt der Debatten über die Wirksamkeit der öffentlichen Massnahmen und die optimale Nutzung von Ressourcen. Die soziale und berufliche Integration situiert sich im interinstitutionellen Bereich – Arbeitslosenversicherung, Invalidenversicherung, Sozialhilfe, Migration, Bildung – und betrifft Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensverläufen.
Für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger geht es darum, zu wissen, welche Maßnahmen einen klaren Nutzen für die Gesellschaft und die Wirtschaft haben. Für unsere Mitglieder und Partnerinnen und Partner besteht die Herausforderung darin, über gemeinsame, zuverlässige und nützliche Instrumente zu verfügen, um ihre Wirksamkeit nachzuweisen und ihre Programme und Maßnahmen kontinuierlich zu verbessern. Für Fachleute vor Ort ist dies eine Gelegenheit, ihre oft unsichtbare, aber für den Erfolg der Integration unverzichtbare tägliche Arbeit anzuerkennen. Und für die betreuten Personen bietet sich die Möglichkeit, alle Schritte auf dem Weg zur Erwerbsarbeit oder sozialen Teilhabe sichtbar zu machen – auch wenn das Endziel nicht sofort erreicht wird.
Eine erfolgreiche Integration muss sowohl schnell erfolgen, um eine Entfernung vom Arbeitsmarkt zu vermeiden, als auch nachhaltig sein, um langfristige Stabilität zu gewährleisten. Mit der Organisation dieser nationalen Fachtagung nimmt Arbeitsintegration Schweiz seine Rolle als nationaler Dachverband voll und ganz wahr: Zum ersten Mal werden auf dieser Ebene politische, wissenschaftliche und praktische Akteure zusammengebracht, um konkrete und bewährte Methoden zu diskutieren.
In der Präsentation der nationale Fachtagung sprechen Sie von der Komplexität der Bewertung von Massnahmen zur sozialen und beruflichen Integration. Gibt es im Vergleich zu anderen Bereichen besondere Herausforderungen?
Ja, denn Integrationsprozesse verlaufen weder linear noch vorhersehbar. Gesundheit, Ausbildung, wirtschaftliches Umfeld, persönliche Motivation, soziales Netzwerk: All diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und entziehen sich oft der direkten Kontrolle der Akteure und Akteurinnen der Integration. Die Auswirkungen einer Massnahme können erst mehrere Monate oder sogar Jahre nach ihrem Abschluss sichtbar werden und betreffen häufig mehrere Institutionen.
Für die Politik erschwert dies die eindeutige Zuordnung der Ergebnisse. Für die Organisationen erfordert dies spezifische Ressourcen und Kompetenzen, um diese komplexen Verläufe zu verfolgen und zu analysieren. Für die Fachleute ist dies eine methodische Herausforderung, die eine Kombination aus genauer Beobachtung, zuverlässigen Daten und qualitativem Feedback erfordert. Für die betreuten Personen schließlich spiegelt diese Komplexität einfach die Realität ihres Lebens wider: Fortschritte sind nicht immer in Zahlen sichtbar, auch wenn sie sehr real sind.
«Die Wirkungsevaluation ist ein strategisches Instrument. Richtig durchgeführt, stärkt sie die Glaubwürdigkeit der öffentlichen Massnahmen, optimiert die in Integrationsorganisationen eingesetzten Mittel, wertet die Arbeit der Fachleute auf und gibt den betroffenen Personen die Anerkennung, die sie verdienen.»
Wie kann diese Komplexität überwunden werden?
Zunächst einmal muss geklärt werden, was gemessen werden soll: Rückkehr in den Arbeitsmarkt, Erwerb von Kompetenzen, Verbesserung der Gesundheit, Stabilität im Alltag oder anderes. Anschließend müssen mehrere Ansätze kombiniert werden: quantifizierte Indikatoren, Umfragen, Längsschnittanalysen, Fallstudien. Diese Kombination ist unerlässlich, um der Politik solide Daten, den Organisationen wirksame Steuerungsinstrumente und den Fachkräften konkretes Feedback zu ihren Maßnahmen zu liefern. Schließlich muss zusammengearbeitet werden: Geldgeber, Forscher, Praktiker und Betroffene müssen gemeinsam die Erfolgskriterien definieren. Dieser gemeinsame Prozess stärkt die Relevanz der Ergebnisse und fördert kontinuierliche Verbesserungen in der Praxis.
Es muss auch anerkannt werden, dass die Wirkung nicht nur anhand der Integrationsquote in den ersten Arbeitsmarkt gemessen werden kann. Zwischenfortschritte – die Rückkehr zu einem regelmäßigen Lebensrhythmus, die Erweiterung des Netzwerks, die Stärkung des Selbstvertrauens – sind oft unverzichtbare Voraussetzungen für eine schnelle und dauerhafte Integration.
Bewährte Praktiken
In Bezug auf die Wirkungsbewertung bei der sozialen und beruflichen Eingliederung bestätigen sich drei Trends, die mit der internationalen Forschung im Einklang stehen.
- 360°-Messungen: Einbeziehung von Indikatoren für Beschäftigung, Gesundheit, Ausbildung, Lebensstabilität und soziale Teilhabe unter Berücksichtigung der beruflichen und sozialen Dimensionen der Integration.
- Sichere digitale Tools: Nutzung von Verwaltungs- und Follow-up-Daten zur Bewertung des Fortschritts in Echtzeit unter Gewährleistung des Datenschutzes und der Validität der Indikatoren.
- Partizipative Bewertungen: Einbeziehung der Begünstigten und Interessengruppen in die Festlegung der Erfolgskriterien, damit die Indikatoren tatsächlich das messen, was für ihren Werdegang wichtig ist.
Diese Ansätze werden durch die Verwendung klarer Veränderungsmodelle, die Kombination quantitativer und qualitativer Methoden und die Integration der Ergebnisse in das strategische Management der Organisationen ergänzt.
Konkrete Beispiele
Mehrere auf dem Kolloquium vorgestellte Initiativen veranschaulichen die Vielfalt der Ansätze.
- Die Längsschnittuntersuchung von Form’Avenir (VS): Begleitung junger Menschen bis zu einem Jahr nach ihrer Ausbildung mit Fragebögen, Interviews und der gemeinsamen Erarbeitung von Indikatoren, die berufliche, schulische, persönliche und soziale Aspekte abdecken.
- Der Ansatz von reframes.ch: Verknüpfung konkreter Indikatoren mit einem klaren Wirkungsmodell, wobei die erwarteten Effekte realistisch bleiben.
- Das ZEWO Impact Tool: Automatisierter Prozess zur Formulierung messbarer Ziele, zur Planung der Datenerhebung und zur Visualisierung der Wirkungskette auf einfache und teilbare Weise.
Die nationale Fachtagung ist ausgebucht. Haben Sie eine wichtige Botschaft für diejenigen, die an einer Teilnahme interessiert gewesen wären?
Die Wirkungsbewertung ist keine administrative Kontrolle, sondern ein strategisches Instrument. Richtig durchgeführt, stärkt sie die Glaubwürdigkeit der öffentlichen Massnahmen, optimiert die in Integrationsorganisationen eingesetzten Mittel, wertet die Arbeit der Fachleute auf und gibt den betroffenen Personen die Anerkennung, die sie verdienen.
Unser Ziel ist es, dass diese nationale Fachtagung ein Ort des Austauschs und der gemeinsamen Gestaltung ist, an dem alle Akteure – politische Entscheidungsträger, Organisationsleiter und Praktiker – konkrete Methoden mitnehmen, die auf ihre Realität und ihre Ziele zugeschnitten sind. Auf diese Weise trägt Arbeitsintegration als nationale Plattform dazu bei, die Qualität, Sichtbarkeit und Anerkennung der Integrationsarbeit im ganzen Land zu stärken.