Am 3. September 2025 fand in Bern die nationale Fachtagung von Arbeitsintegration Schweiz statt – mit grossem Erfolg: Über 250 Fachpersonen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis nahmen teil. Im Zentrum stand die Frage, wie Wirkungsevaluation in der sozialen und beruflichen Integration gestaltet werden kann und welchen Mehrwert sie bietet.
Giorgio Fonio, Präsident von Arbeitsintegration Schweiz, eröffnete die Tagung mit einer engagierten Rede. Er stellte die zentrale Frage: «Unverzichtbares Werkzeug für den gesellschaftlichen Fortschritt oder machiavellistisches Instrument im Dienste eines ungebremsten Strebens nach Leistung? – ein Denkanstoss, der die Ambivalenz von Evaluationen auf den Punkt bringt.
Er betonte, dass Evaluation kein reines Kontrollinstrument sein dürfe, sondern als Werkzeug des Dialogs verstanden werden müsse – ein Mittel für gemeinsames Lernen und verbesserte Begleitung der Teilnehmenden.
Breite Themenvielfalt und praxisnahe Inputs
Das abwechslungsreiche Programm bot verschiedene Fachreferate sowie eine Podiumsdiskussion. Zudem konnten zentrale Fragestellungen in fünf Ateliers vertieft werden. Im Mittelpunkt standen Fragen wie:
- Was verstehen wir unter «Wirkung» in der sozialen und beruflichen Integration?
- Welche Stakeholder haben welche Erwartungen an die Wirkung von Massnahmen?
- Welche Indikatoren eignen sich für die Messung?
- Wie können Evaluationen praxisnah gestaltet werden?
- Welchen Mehrwert bieten die Ergebnisse für Organisationen und Auftraggeber?
Die Expert:innen betonten die Bedeutung einer frühzeitigen Planung der Datenerhebung, den Einbezug aller Stakeholder auf Augenhöhe sowie die Notwendigkeit, Ergebnisse tatsächlich in die Praxis zurückzuführen.
Die Podiumsdiskussion zeigte klar auf, dass je nach auftraggebender Stelle (ALV, IV, Sozialhilfe) unterschiedliche Erwartungen an die Wirkung und deren Messung bestehen. Während bei ALV und IV die berufliche Integration im Vordergrund steht, betont die Sozialhilfe auch die soziale Integration – mit schwerer fassbaren, aber zentralen Wirkungen wie Selbstwertsteigerung oder gesundheitlicher Stabilisierung. Diese Realität zeigt sich auch in den Organisationen der Arbeitsintegration. Viele von ihnen haben verschiedene auftraggebende Stellen und müssen demnach auch unterschiedliche Anforderungen bezüglich der Messung ihrer Wirkung erfüllen.
Einige prägnante Gedanken aus den Diskussionen
- Geld lässt sich leicht messen – aber wir müssen auch die Nachhaltigkeit in der Integration hinterfragen.
- Manchmal misst man nur das, was leicht sichtbar ist – wie unter der Laterne in einem Bazar. Aber das widerspiegelt nicht die ganze Realität.
- Es ist wichtig, pragmatisch zu bleiben, damit der administrative Aufwand im Vergleich zur Arbeit im Feld nicht zu stark steigt.
- Evaluationen sind nur dann sinnvoll, wenn die gewonnenen Daten aktiv genutzt werden – sonst verpufft ihr Nutzen.
Abschlussrede von Bundesrat Guy Parmelin
Ein Höhepunkt der Tagung war die Schlussrede von Bundesrat Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Er würdigte die zentrale Rolle der Anbieter von sozialer und beruflicher Integration, insbesondere auch bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels, und brachte seine grosse Wertschätzung für die Branche zum Ausdruck.
Austausch und Vernetzung
Die Pausen und der abschliessende Apéro boten den Teilnehmenden Gelegenheit, sich intensiv auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
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