Die Evaluation von Massnahmen zur sozialen und beruflichen Integration stützt sich auf Wirkungsindikatoren. Deren Verwendung ist keineswegs neutral, sondern bringt methodische Entscheidungen und Auswirkungen auf die Praxis mit sich.
Von Éric Moachon, assoziierter Professor und Morgane Kuehni, ordentliche Professorin, Hochschule für Sozialarbeit und Gesundheit Lausanne (HES·SO)
Der Artikel wurde von Charlotte Miani von Arbeitsintegration Schweiz übersetzt; die Originalfassung ist auf Französisch verfasst und in der Zeitschrift Reiso verfügbar.
Die Evaluation der sozialen und beruflichen Integration stützt sich weitgehend auf Wirkungsindikatoren. Diese Instrumente haben jedoch Mühe, die Komplexität der Verläufe und der durch die Massnahmen hervorgerufenen Effekte zu erfassen. Die Analyse von vier Indikatoren, die von Einrichtungen zur sozialen und beruflichen Integration häufig verwendet werden, verdeutlicht deren Vorteile und Grenzen und liefert gleichzeitig Anhaltspunkte für eine zweckmässigere Konzeption und Nutzung dieser Instrumente.
Mehrere für die soziale und berufliche Integration spezifische Merkmale erschweren deren Evaluation. Zunächst einmal beruht dieser Bereich – im Gegensatz zu anderen – nicht auf einem einzigen Kausalmodell, das eine einzelne Massnahme mit einer klar identifizierbaren Wirkung verknüpft, wie beispielsweise der Bau einer Brücke und die Verbesserung der Mobilität. Die Integrationsverläufe der Individuen hängen von zahlreichen Faktoren ab – verfügbare Ressourcen, wirtschaftliches Umfeld, Arbeitskräftebedarf –, die sich der Kontrolle der betroffenen Personen und der Fachleute, die sie begleiten, entziehen.
Zweitens sind die Wege zur Integration vielfältig und verlaufen nicht zwangsläufig über vordefinierte Etappen wie einen Kurs zu Techniken der Stellensuche oder ein Berufspraktikum. Ausserdem lässt sich Integration nicht eindeutig definieren und bedeutet nicht zwangsläufig die (Wieder-)Aufnahme einer Beschäftigung: Eine Person kann sozial integriert sein, ohne beruflich tätig zu sein. Schliesslich stellt sich im Hinblick auf die berufliche Integration die Frage nach der Qualität der wiedergefundenen Stelle: Ist sie dauerhaft oder prekär? Entspricht sie den Bedürfnissen und Erwartungen der Betroffenen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen (Lohn, Beschäftigungsgrad) oder der Vereinbarkeit der verschiedenen Lebensbereiche?
Zu dieser Komplexität kommt die Vielfalt der Massnahmen zur sozialen und beruflichen Integration hinzu. Tatsächlich variieren die Vorgehensweisen der Fachleute im Bereich der Integration je nach institutionellem Auftrag (Arbeitslosenversicherung, Invalidenversicherung, Sozialhilfe, Migration), den behandelten Problemstellungen (mangelnde Qualifikation, Gesundheit, Isolation) und den unterstützten Zielgruppen (Alter, Bildungsniveau).
Die Wirkung evaluieren: Herausforderungen und Ansätze
Angesichts dieser Vielfalt an Lebensläufen und Massnahmen stellt sich die Frage nach der Wirkungsevaluation mit besonderer Dringlichkeit. Der Bereich der Evaluation zeichnet sich durch eine Fülle von Begriffen aus – Inputs, Ressourcen, Outputs, Aktivitäten, Leistungen, Outcomes, Ergebnisse, direkte und indirekte Auswirkungen, kurz-, mittel- und langfristige Auswirkungen –, deren Definitionen manchmal mehrdeutig bleiben (Delahais et al.). Diese Fülle kann für Laien verwirrend sein.
Zur Verdeutlichung schlägt dieser Artikel vor, sich auf eine binäre Unterscheidung zwischen einerseits der Funktionsweise einer Massnahme und andererseits deren Folgen zu beschränken. Im Bereich der sozioprofessionellen Integration bezeichnen die Wirkungen somit die Gesamtheit der Effekte – ob erwartet oder nicht, vorhersehbar oder nicht –, die eine Massnahme auf die Teilnehmenden und deren Umfeld hat [1] .
Grob gesagt gibt es zwei sich ergänzende Perspektiven zur Untersuchung der Wirkungen. Die erste, der lineare kausale Ansatz, ist in erster Linie quantitativ. Er zielt darauf ab, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen einer Intervention und einer Wirkung herzustellen, wobei Faktoren ausserhalb der evaluierten Intervention so gut wie möglich neutralisiert werden. Er stützt sich auf den Vergleich von Wirkungsindikatoren zweier Interventionen, die in ähnlichen Kontexten mit ähnlichen Zielgruppen durchgeführt wurden, nach einem Modell, das dem von klinischen Studien ähnelt. So kann es beispielsweise darum gehen, die Arbeitsmarkteingliederungsquote einer Gruppe von Jugendlichen, die an einem Motivationssemester (SEMO) teilgenommen haben, mit der einer anderen Gruppe zu vergleichen, die nicht daran teilgenommen hat. Der kausale Ansatz wird vor allem von denjenigen bevorzugt, die über die Finanzierung einer Massnahme entscheiden.
Der umfassende Ansatz, der oft qualitativer Natur ist, zielt weniger darauf ab, die Frage nach dem «Wie viel» zu beantworten, als vielmehr die nach dem «Wie». Indem er sich mehr auf die Prozesse als auf die quantifizierten Ergebnisse konzentriert, dokumentiert er die Wirkungen einer Massnahme auf eine Zielgruppe im Hinblick auf erlebte Veränderungen, wie beispielsweise die Stärkung des Selbstvertrauens, die Entwicklung von Kompetenzen oder den Aufbau eines Netzwerks. Dieser Ansatz ist zudem bestrebt, die bedeutendsten Veränderungen unter Berücksichtigung der Profile der Teilnehmenden und des sozioökonomischen Kontexts zu ermitteln. Er analysiert auch die Zusammenhänge zwischen diesen verschiedenen Veränderungen und den angestrebten Wirkungen (Devaux-Spatarakis, 2023), beispielsweise um aufzuzeigen, wie Coaching das Selbstvertrauen beeinflusst oder wie Praktika die Einstellung zur Arbeit verändern. Ein solcher Ansatz verdeutlicht die Hebel für Verbesserungen für die Fachleute, die die Massnahmen umsetzen.
Wirkungsindikatoren: Stärken, Grenzen und Anwendungsmöglichkeiten
Im Bereich der sozialen und beruflichen Integration gibt es keinen Konsens darüber, welche Indikatoren für die Wirkungsevaluation relevant sind. Die Auftraggeber erwarten meist eine Quote positiver Abschlüsse der Begleitungen (in eine Anstellung oder eine Ausbildung). Die meisten Dienstleister halten diesen Ansatz jedoch für zu vereinfachend und kombinieren mehrere Indikatoren, um der Vielfalt der Wirkungen ihrer Massnahmen Rechnung zu tragen und mögliche Hebel für Verbesserungen zu identifizieren.
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Stärken und Schwächen von vier Indikatoren, die von Einrichtungen zur sozialen und beruflichen Eingliederung häufig herangezogen werden: der Vorher-Nachher-Vergleich der Kompetenzen der Teilnehmenden, die Wiedereingliederungsquote, die Zufriedenheitsquote der Zielgruppen und die Abbruchquote der Massnahme.
Tabelle 1: Stärken und Schwächen von vier Indikatoren
Der Einsatz von Indikatoren ist oft sinnvoll, insbesondere um bestimmte Dimensionen der Wirkung einer Massnahme zur sozialen und beruflichen Eingliederung aufzuzeigen. Die Messung eines Phänomens anhand eines Indikators stellt jedoch eine erhebliche Vereinfachung der Realität dar. Per Definition konzentriert sich ein Indikator auf einen bestimmten Aspekt und sagt nichts über den Kontext aus. Zudem lässt sich anhand der Erhebung eines Indikators kein eindeutiger Zusammenhang zwischen einer Massnahme und einer Wirkung feststellen: Die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit durch eine Person nach einer Massnahme bedeutet nicht, dass diese Massnahme die Ursache dafür ist. Die Messung eines Indikators ist keinesfalls gleichbedeutend mit einer umfassenden Bewertung der Wirksamkeit, Relevanz oder Wirkung einer Massnahme.
Indikatoren sind zudem mit einer politischen Dimension behaftet. Es handelt sich um Instrumente, die im Zentrum von Machtverhältnissen stehen, beispielsweise zwischen Auftraggebenden und Anbietern einer Integrationsmassnahme. Sie können dazu genutzt werden, Einrichtungen in Konkurrenz zueinander zu stellen (durch den Vergleich ihrer Leistung) und können zu Belohnungen oder Sanktionen führen (mit einem Bonus-Malus-System). Eine solche Nutzung führt manchmal zu opportunistischem Verhalten, was dazu führt, dass Einrichtungen und Fachleute eher auf die Indikatoren als auf die Zielgruppen ausgerichtet arbeiten (Moachon, 2007).
Relevante Indikatoren konzipieren und nutzen
Die Arbeit mit Indikatoren erfordert einige Vorsichtsmassnahmen. Mehrere Aspekte verdienen sowohl bei ihrer Konzeption als auch bei ihrer Anwendung besondere Beachtung.
Zunächst muss sichergestellt werden, dass relevante Indikatoren zur Verfügung stehen. Damit die gemessene Wirkung aussagekräftig ist, müssen die Realität und die Anliegen der verschiedenen betroffenen Personen über die blossen Erwartungen der Geldgeber hinaus bekannt sein. Dazu ist es angebracht, die Indikatoren gemeinsam mit den Beteiligten zu erarbeiten.
Sobald der Indikator ausgewählt ist, muss er genau definiert werden, um seine Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Es müssen klare und gemeinsam vereinbarte Kriterien festgelegt werden. Klarheit und Transparenz sind hier unerlässlich. Beim Indikator «Wiedereingliederungsquote» muss beispielsweise überlegt werden, anhand welcher Daten diese Quote berechnet wird. Was ist die Referenzpopulation: alle Personen, die an der Massnahme teilgenommen haben, oder nur diejenigen, die die Massnahme abgeschlossen haben? Wie sieht der zeitliche Rahmen der Erhebung aus: unmittelbar nach Abschluss der Massnahme, sechs Monate oder ein Jahr nach Massnahmenende? Kann jeder Arbeitsvertrag als Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gewertet werden (befristeter Vertrag, temporärer Einsatz, Praktika)?
Ist der Indikator erst einmal ausgewählt und definiert, muss er auch noch einsetzbar sein, das heisst, es müssen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen, um die Datenerhebung zu gewährleisten. Für die Organisatoren von Massnahmen sind Zeit und methodische Ressourcen oft begrenzt. Es ist daher angebracht, die Kosten für die Erhebung und Aufbereitung der Daten so weit wie möglich zu reduzieren, indem zu aufwendige und zu komplexe Verfahren vermieden werden.
Schliesslich ist eine reflexive Herangehensweise erforderlich, bei der man die Verwendung und Interpretation der Indikatoren aufmerksam im Auge behält. Es ist daher sinnvoller, die Indikatoren zu nutzen, um die Entwicklung der Wirkung einer Massnahme zu verstehen, als zu versuchen, zu erreichende Mindestschwellenwerte festzulegen (zum Beispiel 40 % (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt). Im Bereich des Managements zeigen Studien übereinstimmend die unbeabsichtigten Auswirkungen solcher Praktiken auf: erheblichen Stress, um diesen Schwellenwert zu erreichen, und eine gewisse Nachlässigkeit, sobald er erreicht ist.
Verstehen statt nur messen
Es erweist sich als sinnvoll, sich mit den Wirkungen von Integrationsmassnahmen zu befassen, insbesondere aus einer konstruktiven Perspektive zur Verbesserung der Praxis. Einfache quantitative Indikatoren können geeignet sein, um die Auswirkungen in einfachen Fällen (homogene Zielgruppe, ein einziges Ziel) darzustellen. Bei komplexeren Situationen sollte man sich jedoch nicht auf das Messen beschränken, sondern vielmehr versuchen zu verstehen, warum und wie eine Massnahme Wirkung zeigt oder auch nicht. Partizipative Ansätze ermöglichen es oft, den Blickwinkel zu erweitern und die Vielfalt der Ziele der Massnahmen sowie unerwartete Auswirkungen zu berücksichtigen.
Über die AIS Fachtagung 2025
Im September 2025 befasste sich die nationale Fachtagung von Arbeitsintegration Schweiz mit einer zentralen Frage des Integrationsbereichs: Wie lassen sich die Wirkungen von Massnahmen zur sozialen und beruflichen Integration messen? Angesichts steigender Anforderungen seitens der Auftraggebenden und des Bestrebens der Eingliederungsorganisationen, die Qualität ihrer Dienstleistungen zu verbessern, wird die Wirkungsevaluation zu einer zentralen Herausforderung für den Sektor.
Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Insertion Suisse und REISO ist eine Reihe aus drei Artikeln und einem Interview erschienen, um die Komplexität dieses Themas zu beleuchten. Die aus dem Französischen ins Deutsche übersetzte Fassung des Artikels stammt von Charlotte Miani von Insertion Suisse; die Originalversion des Artikels ist hier abrufbar.
Literaturverzeichnis
- Delahais, T., Devaux-Spatarakis, A., Revillard, A.,& Ridde, V . (dir) (2022). Évaluation. Fondements, controverses, perspectives. Éditions science et bien commun.
- Devaux-Spatarakis, A. (2023). L’évaluation basée sur la théorie, in A. Revillard (dir.) Méthodes et approches en évaluation des politiques publiques (pp. 269-278). Éditions science et bien commun.
- Moachon, E. (2007). La mise en œuvre de la lutte contre les abus : le cas du chômage. Carnets de bord, 13, 16-24.
Links
→ Sigrid Haunberger «Wirkung heisst mehr als Zahlen», Im Fokus AIS, veröffentlicht am 22. Juni
→ Maël Dif-Pradalier und al., «Wie lässt sich ein Integrationsprogramm evaluieren?», AIS IM Fokus, veröffentlicht am 23. Septembre
→ Erfolgreiche Fachtagung 2025: Wirkungsevaluation im Fokus
→ AIS Fachtagung – Fotosgalerie
→ AIS Fachtagung – Programm und Päsentationen
Die Evaluation eines Programms zur sozialen und beruflichen Integration von Jugendlichen ist komplex. Im Rahmen eines Pilotprojekts im Kanton Wallis wurde ein Modell entwickelt, das versucht, diese Schwierigkeiten zu überwinden, indem es Wissenschaftlichkeit, Partizipation und Reflexivität miteinander verbindet.
Von Maël Dif-Pradalier, Professor, Joseph Hivert, wissenschaftlicher Mitarbeiter, und Riccardo Milani, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Hochschule für Sozialarbeit Freiburg (HES-SO)
Der Artikel wurde von Charlotte Miani von Arbeitsintegration Schweiz übersetzt; die Originalfassung ist auf Französisch verfasst und in der Zeitschrift Reiso verfügbar.
Ausgangslage
Die Evaluation staatlichen Handelns bedeutet immer, den Wert einer Massnahme zu hinterfragen: Was bringt sie, für wen und nach welchen Kriterien? Im Bereich der sozialen und beruflichen Integration junger Erwachsener ist diese Aufgabe besonders komplex. Es geht nicht nur darum, die unmittelbaren Auswirkungen einer Begleitung zu bewerten, sondern auch Prozesse zu erfassen, deren Ergebnisse sich oft erst im Laufe der Zeit entfalten. Wie lässt sich also die Tragweite einer Begleitung zur sozialen und beruflichen Integration einschätzen, deren nachhaltigste Auswirkungen manchmal erst lange nach Abschluss des Programms sichtbar werden? Denn diese Wirkungen liegen ebenso sehr in den subjektiven und zwischenmenschlichen Veränderungen wie in objektivierbaren Ergebnissen, die jedoch unterschiedlichen Zeiträumen zuzuordnen sind.
Klassische Bewertungsmodelle, die auf einfachen Kausalzusammenhängen zwischen einer Massnahme und ihren Auswirkungen beruhen, erweisen sich als unzureichend, um der Vielfalt der Verläufe und der dabei wirksamen Zeitrahmen gerecht zu werden. Im Bereich der Integration junger Menschen sind die Verläufe von Brüchen, Neuorientierungen und Weggabelungen geprägt, die standardisierte Bewertungsinstrumente nur unvollständig erfassen. Zudem erschwert die Vielzahl der beteiligten Akteure – öffentliche Verwaltungen, Dienstleistungsorganisationen, Ausbildungsbetriebe, Schulen, aber auch Eltern oder Angehörige – jede eindeutige Zuordnung der Wirkungen zu einer einzigen Massnahme.
Vor diesem Hintergrund wurde die Evaluation des Pilotprogramms FormAvenir im Kanton Wallis konzipiert, das sich direkt am Programm FORJAD (Ausbildung für junge Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen) orientiert. Dieses dient seit 2006 im Kanton Waadt als Referenzmodell für die Integration junger Menschen, indem es sie auf dem Weg zu einer Berufsausbildung und während dieser begleitet.
Kombination quantitativer und qualitativer Methoden
Die Evaluation von FormAvenir basiert auf einem gemischten Ansatz, der quantitative und qualitative Methoden miteinander verbindet. Sie stützt sich zudem auf eine Logik der begleitenden Evaluation, d. h., sie wird parallel zur Einführung des Programms im Jahr 2023 und für eine anfängliche Pilotphase von drei Jahren durchgeführt. Sie berücksichtigt zudem eine Entwicklungsperspektive, indem sie darauf ausgerichtet ist, laufend Anpassungen am Angebot im Verlauf seiner Umsetzung zu ermöglichen.
Der gewählte Ansatz legt den Schwerpunkt auf die Ko-Konstruktion von Erfolgsindikatoren mit allen Beteiligten – Jugendlichen, Fachkräften vor Ort, Ausbildungsbetrieben, Lehrkräften und dem Auftraggeber. Diese Entscheidung spiegelt den Willen wider, eine Logik der ex-post-Kontrolle zugunsten eines reflexiven und partizipativen Prozesses zu überwinden. Dadurch wird die Evaluation zu einem Instrument des kollektiven Lernens und der kontinuierlichen Verbesserung des öffentlichen Handelns. Sie verfolgt die Werdegänge der Jugendlichen auf der Grundlage mehrerer Quellen und Beobachtungszeitpunkte. Das Verfahren kombiniert von den Coaches ausgefüllte Fragebögen mit Interviews mit den Akteuren des Programms. Das Ziel besteht letztendlich darin, sowohl die konkreten Entwicklungen im beruflichen, schulischen, persönlichen und sozialen Leben der Jugendlichen als auch die subtileren Veränderungen, die ihre Begleitung prägen, sichtbar zu machen.
Fortschritte und Schwierigkeiten dokumentieren
Im Rahmen des Programms stützt sich die quantitative Erfassung auf drei Fragebögen, die auf den Unterlagen basieren, die die Coaches bereits in ihrer täglichen Arbeit verwenden. Sie stützen sich auf Kriterien, die gemeinsam mit dem Auftraggeber festgelegt wurden, um die Fortschritte und Schwierigkeiten der Jugendlichen zu dokumentieren.
Der erste Fragebogen, der zu Beginn des Programms ausgefüllt wird, liefert ein erstes Profil jeder Teilnehmerin und jedes Teilnehmers. Er umfasst soziodemografische Daten, Informationen zur angestrebten Ausbildung und zum Beruf sowie zu Risikofaktoren und dem vorhandenen Unterstützungsnetzwerk. So lässt sich der Ausgangspunkt jedes Werdegangs ermitteln, die Ressourcen identifizieren, auf die die Jugendlichen zurückgreifen können, und ihre potenziellen Schwachstellen verstehen.
Der zweite Fragebogen, der jedes Semester von den Coaches ausgefüllt wird, verfolgt die Entwicklung der Jugendlichen in den Bereichen Beruf, Schule, Privatleben und Soziales. Er kombiniert abgestufte Bewertungen und freie Kommentare, um Fortschritte, aufgetretene Hindernisse und die von den Coaches vorgenommenen Anpassungen zur Unterstützung jeder einzelnen Person darzustellen.
Der dritte Fragebogen wird ausgefüllt, wenn die teilnehmende Person das Programm verlässt – sei es aufgrund einer Stabilisierung ihrer Situation, einer notwendigen Neuorientierung oder weil es dem Coach nicht mehr möglich ist, eine wirksame Begleitung fortzusetzen. Diese Bilanz verdeutlicht die eingeschlagenen Wege und die im Laufe der Begleitung getroffenen Entscheidungen.
Den Beteiligten das Wort geben
Die qualitative Begleitung ergänzt diese Beobachtungen, indem sie den beteiligten Akteur:innen das Wort erteilt. Zwischen Dezember 2023 und April 2026 wurden 28 halbstrukturierte Interviews mit Vertreter:innen des Sozialdienstes des Kantons Wallis (SAS), Coaches, Jugendlichen, Arbeitgeber:innen und Lehrpersonen geführt. Parallel dazu ermöglichten zwei Fokusgruppen, die gemeinsam mit dem SAS und den Partnerorganisationen durchgeführt wurden, die unterschiedlichen Standpunkte herauszuarbeiten, die Bewertungskriterien zu hinterfragen und die Überlegungen zur Entwicklung der Erfolgsindikatoren für die Massnahme zu bereichern.
Diese Kombination aus indirekten Beobachtungen, Kommentaren und Erfahrungsberichten bildet die Grundlage für den vom Evaluationsteam geleiteten Prozess der Ko-Konstruktion der Indikatoren. Ziel war es, die Komplexität der individuellen Werdegänge, die Vielfalt der gemachten Erfahrungen und die Pluralität der Sichtweisen der am FormAvenir-Programm beteiligten Akteur:innen zu berücksichtigen.
Ko-Konstruktion der Erfolgsindikatoren
Die Ko-Konstruktion der Erfolgsindikatoren des Programms bildete einen zentralen Bestandteil der begleitenden Evaluation. Sie erfolgte in drei Schritten: Zunächst ging es um die Identifizierung und Konkretisierung der Bewertungskriterien der Beteiligten – Jugendliche, Coaches, Partnerorganisationen, Arbeitgeber:innen, Lehrpersonen und Auftraggeber. Jede Akteursgruppe hat nämlich spezifische Erwartungen und Werte hinsichtlich dessen, was den Erfolg des Programms ausmacht oder ausmachen würde. Diese Perspektiven können übereinstimmen aber auch voneinander abweichen.
Anschliessend wurden diese Kriterien thematisch zusammengefasst, wodurch sich vier grosse Gruppen herauskristallisierten: die Erreichung der Ziele und die beobachtbaren Auswirkungen auf die Jugendlichen, die Qualität der Begleitung, die Mobilisierung und Festigung des Partnernetzwerks sowie die Begleitung und Überwachung des Projekts. Auf dieser Grundlage wurde eine Reihe qualitativer und quantitativer Indikatoren erarbeitet, mit denen sich die identifizierten Kriterien qualitativ beschreiben oder quantitativ messen lassen. Insgesamt wurden 36 Indikatoren vorgeschlagen, von denen 22 sofort einsetzbar waren, da sie anhand der verfügbaren Quellen ermittelt werden konnten. Vierzehn mussten noch „operationalisiert“ werden, da sie von der künftigen Einführung geeigneter Erhebungsmethoden abhingen, die mehr oder weniger lange Zeiträume umfassten.
Die Stimmen aller Akteur:innen werden hörbar gemacht
Dieser Prozess der Ko-Konstruktion verdeutlicht die Vorteile, aber auch die Grenzen des Bewertungssystems. Die gewählte Struktur ermöglicht eine detaillierte Nachverfolgung der Verläufe und Wirkungen, insbesondere hinsichtlich der Entwicklung des persönlichen und beruflichen Netzwerks der Jugendlichen. Sie bietet den Coaches regelmässiges Feedback zu den Wirkungen ihrer Begleitung. Sie ermöglicht es dem SAS zudem, das Programm kontinuierlich anzupassen, und bildet einen Bewertungsrahmen, der über die Pilotphase hinaus übertragbar ist. Schliesslich macht sie die Stimmen der verschiedenen Akteur:innen hörbar und wirft gleichzeitig die Frage nach dem relativen Gewicht jeder Perspektive im Falle von Meinungsverschiedenheiten auf. Denn nicht alle Vorstellungen von „Erfolg“ sind im Hinblick auf die Ziele des Programms zwangsläufig gleichwertig.
Die Wirksamkeit der Evaluation hängt von mehreren Faktoren ab: der Fähigkeit des Forschungsteams, die Sichtweise der Jugendlichen einzubeziehen, der Zusammenarbeit mit den Fachkräften der Partnerorganisationen für den Zugang vor Ort und der Auswahl der Teilnehmenden sowie der Flexibilität, die erforderlich ist, um das Monitoring an die schwankenden Zu- und Abgänge anzupassen. Sie stützt sich zudem auf die vom Auftraggeber festgelegten Kriterien, die je nach Fachkraft unterschiedlich interpretiert werden können oder im Falle von Personalfluktuation variieren können. Zwei Einschränkungen bleiben bestehen: die fehlende Nachverfolgung der Jugendlichen nach ihrem Ausscheiden, wodurch die weitere Entwicklung ihres Werdegangs nicht dokumentiert werden kann. Und die Unmöglichkeit, mittel- und langfristige Auswirkungen zu bewerten, insbesondere hinsichtlich der Qualität der ausgeübten Beschäftigung oder der Gesundheit.
Die Evaluation als Instrument zur gemeinsamen Wissensgenerierung
Die Evaluation des Programms FormAvenir verdeutlicht die Vorteile eines Ansatzes, der Wissenschaftlichkeit, Partizipation und Reflexivität miteinander verbindet. Durch die frühzeitige Einbindung der betroffenen Akteure – der SAS, der Partnerorganisationen, der teilnehmenden Jugendlichen und der Forscher:innen – ermöglichte sie die Entwicklung eines Analyserahmens, der den Realitäten vor Ort Rechnung trägt und gleichzeitig methodische Stringenz gewährleistet. Dieser Ansatz begünstigte die Entwicklung gemeinsamer „Erfolgsindikatoren“, die auf den Bewertungskriterien der Beteiligten basieren und nicht von aussen auferlegt wurden.
Gleichzeitig hat die Erfahrung gezeigt, dass mit jedem Evaluationssystem auch offene Fragen und Graubereiche verbunden sind. Das derzeitige Fehlen einer Längsschnittbeobachtung der Teilnehmenden nach der Zertifizierung schränkt das Verständnis der mittel- und langfristigen Auswirkungen des Programms ein – sei es hinsichtlich der Qualität der gefundenen Beschäftigung, der Stabilisierung der beruflichen Laufbahnen oder der psychosozialen Aspekte der Eingliederung. Zudem kann die für die gemeinsame Erarbeitung der Indikatoren erforderliche Nähe die kritische Distanz der Forscher:innen beeinträchtigen. Dies wirft die Frage nach den Bedingungen für eine Evaluation auf, die zugleich engagiert und distanziert ist. Dieser Spannungszustand wurde durch eine systematische Verknüpfung der Sichtweisen der beteiligten Akteure sowie durch ein besonderes Augenmerk auf die Wiedergabe und Aufwertung der Aussagen der jungen Teilnehmenden berücksichtigt.
Diese Erkenntnisse legen nahe, die Evaluation nicht als einmalige Rechenschaftsübung zu betrachten, sondern als dynamischen Prozess der Anpassung und der gemeinsamen Erarbeitung von Wissen. Indem das Erfahrungswissen anerkannt und die Sichtweisen aller Beteiligten in einen Dialog gebracht werden, veranschaulicht die Erfahrung von FormAvenir einen Paradigmenwechsel in der Evaluation staatlicher Massnahmen: Sie ist mehr als ein Instrument zur Überprüfung, sie wird zu einem Werkzeug der gemeinsamen Wissensgenerierung. Und sie kann dazu beitragen, die Praxis weiterzuentwickeln – hin zu einem staatlichen Handeln, das reflektierter, inklusiver und letztlich gerechter ist.
AIS Fachtagung 2025
Im September 2025 befasste sich die nationale Fachtagung von Arbeitsintegration Schweiz mit einer zentralen Frage des Integrationsbereichs: Wie lassen sich die Wirkungen von Massnahmen zur sozialen und beruflichen Integration messen? Angesichts steigender Anforderungen seitens der Auftraggebenden und des Bestrebens der Eingliederungsorganisationen, die Qualität ihrer Dienstleistungen zu verbessern, wird die Wirkungsevaluation zu einer zentralen Herausforderung für den Sektor. Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Arbeitsintegration Schweiz und REISO ist eine Reihe aus drei Artikeln und einem Interview erschienen, um die Komplexität dieses Themas zu beleuchten. Die aus dem Französischen ins Deutsche übersetzte Fassung des Artikels stammt von Charlotte Miani von Arbeitsintegration Schweiz; die Originalversion des Artikels ist hier abrufbar.
Bibliografie
- Bieri, Oliver; Bachmann, Ruth; Bodenmüller, Daniela; Balthasar, Andreas (2006).
- RAV-Strategien zur Arbeitsmarktintegration und deren Wirksamkeit. Eine qualitativ-quantitativ angelegte Evaluation am Beispiel von jungen, niedrig qualifizierten und älteren, gut qualifizierten Personen. Bern: Staatssekretariat für Wirtschaft: Seco Publikation Arbeitsmarktpolitik No 17 (10. 2006)
- Baumgartner, Edgar; Haunberger, Sigrid (2024). Wirkungsevaluationen in der Sozialen Arbeit. Ein Orientierungsbuch für die Praxis. Bern: Haupt.
- Kanton Zürich 2025. Allgemeine Ausführungen zu Fragen der beruflichen und sozialen Integration | Kanton Zürich (abgerufen am 31.07.2025)
- Kita, Zuzanna; Haunberger, Sigrid; Wirz, Daniela; Gisler, Fiona (2022). Wirkungsannahmen sichtbar machen: Konstruktion eines kontext-mechanismusbasierten Wirkungsmodells in der Arbeitsintegration. Schweizerische Zeitschrift für Soziale Arbeit/Revue suisse de travail social 29, 72-109. https://doi.org/10.33058/szsa.2022.0967
- Neuenschwander, Peter; Fritschi, Tobias; Sepahniya, Samin (2022). Herausforderungen und Zukunftsperspektiven in der Arbeitsintegration. Abschlussbericht: Berner Fachhochschule.
- Neuenschwander, Peter; Fritschi, Tobias; Jörg, Reto (2015). Wirken Integrationsprogramme – und wenn ja, wie? Ein Wirkungsmodell als theoretische Grundlage zur Wirksamkeitsüberprüfung von fünf Integrationsprogrammen im Kanton Bern. Sozial Aktuell, 47/3, 32-33.
- Suhling, Stefan (2020). Zur Erfassung der Wirkungen des Strafvollzugs. In: Meier, BD., Leimbach, K. (Hg.) Gefängnisse im Blickpunkt der Kriminologie. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-62072-4_3
- Sundermann, Larissa; Haunberger, Sigrid; Gisler, Fiona; Kita, Zuzanna (2022). How do supported employment programs work? Answers from a systematic literature review. Int J Educ Vocat Guid 23(3), 659-679. https://doi.org/10.1007/s10775-022-09533-3
Links
→ Sigrid Haunberger «Wirkung heisst mehr als Zahlen», Im Fokus AIS, veröffentlicht am 22. Juni
→ Erfolgreiche Fachtagung 2025: Wirkungsevaluation im Fokus
→ Éric Moachon und Morgane Kuehni, «Integration messen, ohne dabei den Sinn aus den Augen zu verlieren», AIS Im Fokus, veröffentlicht am 23. Septembre
→ Erfolgreiche Fachtagung 2025: Wirkungsevaluation im Fokus
→ AIS Fachtagung – Fotosgalerie
→ AIS Fachtagung – Programm und Päsentationen
Die SKOS lanciert einen Call for papers für die Bieler Tagung 2027
Für die Bieler Tagung vom 18. März 2027 sucht die SKOS konkrete Erfahrungen, innovative Projekte, Studien, Programme oder Dienstleistungen zur Arbeitsintegration im Rahmen der Sozialhilfe. Die Beiträge können sich insbesondere mit der Stärkung beruflicher und sozialer Kompetenzen, der Zusammenarbeit mit Arbeitgebenden, dem nachhaltigen Verbleib im Arbeitsmarkt, dem Zugang zu Bildung oder der Integration von Personen mit mehrfachen Hindernissen befassen.
Zwei Formate sind vorgesehen: 20-minütige Plenarreferate sowie einstündige Workshops. Die Vorschläge sind in Form einer Kurzfassung von maximal 3’500 Zeichen auf Deutsch oder Französisch einzureichen.
Eingabefrist: 5. Oktober 2026
Die Vorschläge sind an petra.schmid@skos.ch und salomon.bennour@skos.ch zu senden.
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Seilerstrasse 22
3011 Bern
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info@arbeitsintegrationschweiz.ch
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Das neue Tutorial zu den TRIAGO-Instrumenten zeigt in vier Minuten, wie Fachpersonen Grundkompetenzen Erwachsener mit dem Kartenset und der Online-Abklärung gezielt abklären können.
Grundkompetenzen sind eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Weiterbildung und berufliche Integration. Umso wichtiger ist es, vorhandene Kompetenzen und möglichen Förderbedarf frühzeitig und professionell zu erkennen.
Ab sofort steht das Tutorial zu den TRIAGO-Instrumenten für die Abklärung von Grundkompetenzen in drei Sprachen zur Verfügung: Deutsch, Französisch und Italienisch.
TRIAGO sind Instrumente zur Abklärung von Grundkompetenzen Erwachsener. Sie bestehen aus einem analogen Kartenset sowie einer Online-Abklärung mit Testaufgaben. Das Kartenset und die Online-Abklärung bauen aufeinander auf, können aber auch unabhängig voneinander eingesetzt werden.
Das Tutorial zeigt in vier Minuten, wie die Instrumente in der Beratungspraxis angewendet werden können. Es unterstützt Fachpersonen dabei, die Abklärung zielführend, professionell und einheitlich durchzuführen.
Unterstützung für die Beratungspraxis
Das TRIAGO-Kartenset ermöglicht einen dialogischen Zugang zu Alltagssituationen und unterstützt eine erste Einschätzung auf den Stufen einfach, mittel und schwierig. Die Online-Abklärung ergänzt diesen Prozess mit Testaufgaben in den Bereichen Lesen, Schreiben, Mathematik sowie Computer und Handy.
Durch die Kombination von Gespräch, Beobachtung und Aufgabenbearbeitung erhalten Beratende einen besseren Einblick in vorhandene Kompetenzen und in den jeweiligen Förderbedarf.
Rückmeldungen aus der Praxis willkommen
Für die Weiterentwicklung der TRIAGO-Instrumente sind Erfahrungen aus der Praxis besonders wertvoll. Das TRIAGO-Team freut sich deshalb über Rückmeldungen, Erfahrungsberichte und kurze Testimonials.
Rückmeldungen können direkt an folgende Adresse gesendet werden:
triage.iwb.ph@fhnw.ch
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Evaluierte Ansätze zeigen Wirkung
Am 17. Februar 2026 veröffentlichte der Bundesrat die Ergebnisse des «Impulsprogramms zur Förderung der Wiedereingliederung von erschwert vermittelbaren und älteren Arbeitslosen». Das Programm wurde zwischen 2020 und 2026 im Rahmen der Arbeitslosenversicherung (ALV) und der öffentlichen Arbeitsvermittlung (öAV) durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) umgesetzt.
Zwischen 2020 und 2026 führten 22 Kantone insgesamt 35 Projekte durch. Diese konzentrierten sich auf sieben Handlungsfelder:
- Job Coaching
- Intensivierung und Weiterentwicklung der Beratung
- Stärkung der Beratungskompetenz
- Weiterentwicklung arbeitsmarktlicher Massnahmen
- Selbstlernformate für Stellensuchende
- Förderung digitaler Kompetenzen
- Netzwerkausbau mit Arbeitgebenden und Partnern der interinstitutionellen Zusammenarbeit
Alle Projekte wurden extern evaluiert; die Ergebnisse wurden in einer übergreifenden Synthese zusammengeführt.
Zentrale Ergebnisse
Die Evaluationssynthese zeigt positive Effekte auf zentrale Faktoren der Stellensuche, insbesondere auf Bewerbungskompetenzen, Motivation, Selbstvertrauen und soziale Kontakte.
Projekte mit sehr spezifischen Zielgruppen waren in der Umsetzung anspruchsvoller, da sie weniger Teilnehmende erreichten. Zudem bleibt die Vermittlung von Stellensuchenden mit erhöhtem Unterstützungsbedarf herausfordernd und erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Arbeitgebenden.
Job Coaching als besonders wirksamer Ansatz
Am häufigsten setzten die Kantone auf Job Coaching. Eine enge, individuelle Begleitung erwies sich als besonders wirksam und führte zu hoher Zufriedenheit bei den Teilnehmenden.
In den zwei Projekten mit quantitativer Wirkungsanalyse wurde ein positiver Effekt auf die Wiedereingliederung festgestellt.
Von den 14 Job-Coaching-Projekten werden die meisten dauerhaft in die Regelstrukturen von ALV und öAV überführt. Die Einführung und Weiterentwicklung von Job Coaching ist zudem ein Schwerpunkt der Strategie «öAV 2030».
Weitere bewährte Ansätze
Auch intensivere Beratungsangebote zu spezifischen Themen sowie niederschwellige, flexibel nutzbare Formate haben sich bewährt. Ein Grossteil dieser Projekte wird von den Kantonen dauerhaft weitergeführt.
Arbeitsintegration Schweiz begrüsst die Ergebnisse. Sie unterstreichen die Bedeutung eines individualisierten Coachings, einer engen Zusammenarbeit mit Arbeitgebenden sowie einer systemischen Ausrichtung der Integrationsarbeit.
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Prävention von Grenzverletzungen im Job Coaching
Das Tätigkeitsfeld Jobcoaching stellt spezifische Anforderungen an die Prävention, Intervention und Nachsorge von Grenzverletzungen und Gewalt. Damit Organisationen die notwendigen Massnahmen identifizieren und umsetzen können, haben Arbeitsintegration Schweiz (AIS), INSOS und YOUVITA einen neuen Leitfaden erarbeitet.
Im Mittelpunkt steht eine zentrale Frage:
« Wie kann eine Organisation, die Job Coaching anbietet, Gewaltprävention im Coachingumfeld sowie im Arbeits- oder Ausbildungsumfeld systematisch, wirksam und ganzheitlich gestalten? »
Dieser Frage haben sich Arbeitsintegration Schweiz (AIS) zusammen mit INSOS und YOUVITA gestellt und einen Leitfaden für Organisationen, die Job Coaching anbieten, erarbeitet.
Der Leitfaden unterteilt den Umgang mit Grenzverletzungen in die Aspekte Prävention, Intervention und Nachsorge. Er hilft die relevanten Strukturen, Prozesse und Massnahmen zu identifizieren und umzusetzen sowie kontinuierliche Lernprozesse zu etablieren, um ein sicheres und unterstützendes Umfeld für alle Beteiligten zu schaffen.
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